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SEMINARGESCHICHTEN

Die Ausstrahlung – Wo bist Du?

An einem Maitag schaue ich aus dem Fenster eines Bürohauses auf die Friedrichstraße. Berlin – die moderne, weltoffene und politische Stadt, die Stadt der jungen Leute und der vielfältigen Möglichkeiten, auch die Stadt der Boutiquen, Modelabels und Modemessen.
Ich sehe die kalten Glas- und Steinfassaden der Gebäude vor dem Grau der Straße und die vielen dahineilenden Menschen.
Es ist kein harmonisches Bild, das sich mir darbietet. Das mag an der unpersönlichen Architektur liegen, vor allem aber wundere ich mich über die Bekleidung der Passanten. Was wird getragen? Was ist modern?
Nicht zu sehen sind farbig, lustvoll gekleidete Leute wie in Madrid oder die kühl-elegante Pariser Mode. Ich sehe auch nicht die Eleganz aus dem alten Berlin, keine Frauen in femininen Kleidern, mit seidenen Strümpfen und hochhackigen Schuhen oder Herren in Trenchcoats, Anzügen, mit Hüten und modischen Schuhen.
Diese Zeit des städtischen Bürgertums mit seiner gediegenen Eleganz ist vergangen – gewiss, aber was bietet sich dem Beobachter in Berlin stattdessen? Rucksäcke, Turnschuhe, unendlich weite Jeans, bauchfreie, zu enge Glitzerhosen, zu kurze Röcke für zu dicke Beine, Plastiktaschen und lila Haarsträhnchen.
Wo ist es geblieben, das natürliche Gefühl für Ästhetik und Harmonie? Wo ist sie hin, die elegante Großstädterin, von der Landbevölkerung früher verehrt und verachtet zugleich? Warum sind uns Stil und Eleganz so verloren gegangen?

Dabei ist es einfach, einen guten Stil zu finden. Um natürlich schön zu wirken, müssen wir uns vor allem als Geschöpfe der Natur verstehen und unsere eigene Form und Farbigkeit erkennen. Stellen Sie sich vor einen großen Spiegel, betrachten Sie Ihre ganze Person, Ihre Körperform und Ihre natürliche Farbigkeit.
Wir wirken in dem Kleidungsstil harmonisch, der unsere Grundform beibehält. Ist der Körper eher rund und weich oder gerade und kantig oder kräftig und muskulös? Weiche Körper brauchen eine weiche Silhouette, gerade Körper wirken harmonisch bei gerader Linienführung und ein kräftiger Stil passt gut zu muskulösen Menschen.
Wem ist nicht schon einmal aufgefallen, dass eine Frau mit markanten Gesichtszügen in zarter Rüschenbluse unharmonisch wirkt? Das ist eine Disharmonie zwischen Typ und Kleidungsstil.
Die Beschaffenheit unsere Haut weist uns einen Weg zum richtigen Material. Feinporige, glänzende Haut braucht feines, seidenmattes bis glänzendes Material. Lebhafte und großporige braucht hingegen mittlere Strukturen mit matter Oberfläche.
Die Form unsere Gesichtes führt uns zur passenden Frisur. Das Gesicht kann rundlich, länglich, eckig oder vielleicht herzförmig sein. Rund verträgt einen kurzen Haarschnitt mit Oberkopfbetonung, länglich wirkt optisch breiter mit durchgestufter 7/8-Länge, eckig braucht Haare im Nacken, die mindestens Kinnlänge erreichen und herzförmig will das Haar gesichtsumspielt und kinnlang.

Johannes Itten, einer der berühmten Bauhauskünstler, hat einmal gesagt: Die Ausstrahlung eines Menschen und seine Farbklänge gehören zusammen.
Jeder verfügt über seinen eigenen Farbklang. Er wird bestimmt durch die Farbe der Haut, der Lippen, der Haare und der Iris. Die Natur ist ein guter Maler, dieser Vierklang ist bei jedem Menschen harmonisch abgestimmt.
Wenn wir auf Individualität setzen möchten, ergeben sich aus diesem persönlichen Farbspektrum auch die richtigen Kleidungsfarben. Ein nach dieser Regel gewähltes Make-up wirkt besonders natürlich.
Die Farbe der Haut sollte mit der Teintgrundierung übereinstimmen und überall dort der Kleidungsfarbe ähneln, wo die Haut zu sehen ist. Also bei Oberhemden und Blusen, aber auch bei Unterwäsche und Badebekleidung.
Die Farbe der Lippen kann dem Farbton des Wangenrouges entsprechen und – eine Nuance kräftiger – auch der des Lippenstifts. Der Farbton der Lippen gibt jedoch nicht nur Frauen nützliche Hinweise, sondern darf auch von Männern bei der Wahl von Hemden, Pullis und Krawatten beachtet werden.
Stimmen Sie die Farbe von Jacken, Anzügen, Kostümen und Mänteln auf ihre Haarfarbe ab! So wirken Sie sozial-kommunikativ. Das ist vorteilhaft in allen Berufen, die einen seriösen Kleidungsstil erfordern, in denen jedoch Strenge und Distanziertheit vermieden werden sollen.
Wer kennt sie nicht, die Wirkung unserer Augen als Fenster der Seele? Wird die Irisfarbe durch Kleidungsstücke und Accessoires in Gesichtsnähe aufgenommen, dann verstärkt sich dadurch der Blickkontakt und wir wirken besonders beruhigend und überzeugend.
Denken Sie also bei Kauf von Blusen, Hemden, Schals, Krawatten, Ketten und Ohrringen an ihre Irisfarbe! Sie werden erstaunt sein, wie der Blick des Gegenübers von ihren Augen angezogen wird. Berücksichtigen sie die Irisfarbe vor allem beim Augen-Make-up, also bei Lidschatten und Kajal, und auch bei der Farbe der Brillenfassung.

Es gäbe noch so viel zu sagen zu persönlichen Farben und Formen. Dafür bedarf es jedoch der individuellen Beratung. Wer sich dies nicht antun möchte, der kann seinen Stil auch alleine finden mit ein wenig Respekt vor der Natur, die uns viel Schönes und Individuelles mitgegeben hat.
Jeder Mensch ist einzigartig und hat seine eigene Schönheit. Es wäre schade, diese mit kunterbuntem Allerlei zuzudecken.

Elka Baudis